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Sandra Wißmann (12) aus Berlin-Kreuzberg verschwand am Nachmittag des 28. November 2000 nach einem Einkaufsbummel spurlos. Sie wurde zuletzt von zwei Schulfreundinnen am Kottbusser Damm, Ecke Bürknerstraße, gesehen.

Sandra Wißmann

28.11.2000
Zum Zeitpunkt ihres Verschwindens kann Sandra Wißmann wie folgt beschrieben werden:

12 Jahre alt (geboren am 17. August 1988)
circa 160 cm groß
sportlich, zierlicher Körperbau
braune Augen
lange glatte, über die Schulter reichende Haare, mit einem Haargummi zum Zopf gebunden
Bekleidet war Sandra mit einem dunkelbraun-bordeaux-schwarz gemusterter Pullover, einer schwarzen Jeans und einer halblangen blauen, gesteppten Winterjacke.

Kreuzberg war Anfang der 2000er einer der Berliner „Szenebezirke“, die besonders viele junge Erwachsene anzogen. Aber auch Familien mit Kindern gehörten deutlich zum Straßenbild.

Im Graefekiez, unmittelbar westlich des Kottbusser Damms, gab es klassische Berliner Mietshäuser mit Vorderhaus, Seitenflügel und Hinterhaus. In solchen Häusern fanden sowohl Singles als auch Paare und Familien ein Zuhause. Auf der anderen Seite des Kottbusser Damms begann bereits Neukölln.

Sandra Wißmann lebte mit ihrer Mutter, ihrem Stiefvater, ihrer älteren Schwester und zwei jüngeren Brüdern in einer Wohnung in der Böckhstraße, Berlin-Kreuzberg (Graefekiez), ihr leiblicher Vater wohnte in Thüringen. Sie besuchte die Lemgo-Grundschule, die sich ebenfalls in der Böckhstraße befindet.

Die 12-jährige Sandra war an diesem dunklen Herbstnachmittag des 28. November 2000 mit ihrer Mutter unterwegs. Sie trennten sich am Kottbusser Damm Ecke Böckhstraße. Sandra ging allein weiter, um bei Karstadt am Hermannplatz ein Geburtstagsgeschenk für ihre Mutter zu besorgen.

Karstadt am Hermannplatz

Karstadt am Hermannplatz

Das Karstadt am Hermannplatz (heute: Galeria Berlin Hermannplatz) ist ein denkmalgeschütztes Warenhaus in Berliner-Kreuzberg. 1998–2000 wurden die Verkaufsflächen im zweiten und dritten Obergeschoss entsprechend der darunter liegenden Geschosse vergrößert. Damit stieg die Verkaufsfläche auf 31.500 m². Die Betonplatten der 1960er Jahre wurden entfernt und die Fassade wurde komplett neu gestaltet. 2019 erfolgte die Umfirmierung zu Galeria.

Sandra wurde im Karstadt zwischen 15 und 16 Uhr von Angestellten beim Einkaufen beobachtet. Es ist nicht bekannt, was sie genau kaufte.

Gegen 16:40 Uhr wurde sie auf dem Rückweg innerhalb von wenigen Minuten von zwei Schulfreundinnen auf der anderen Seite des Kottbusser Damms, Ecke Bürknerstraße, gesehen. Gesprochen hat sie nicht mit ihnen. Von da an verliert sich ihre Spur.

Sandras Heimweg nach der letzten Sichtung hätte nur wenige Minuten gedauert:

Kottbusser Damm/Bürknerstraße → Fußgängerampel überqueren → Böckhstraße → etwa 300 Meter geradeaus → Wohnhaus der Familie

Und doch verschwand sie auf dieser überschaubaren Strecke in einem dicht bebauten und damals als praktisch ständig belebt beschriebenen Teil Kreuzbergs.

Sandra wurde noch am Abend ihres Verschwindens von ihrer Mutter bei der Polizei als vermisst gemeldet. Die Mutter begann, selbst nach ihrer Tochter zu suchen und klingelte an den Türen von Freunden und Bekannten.

Bereits am folgenden Tag lief eine große Suchaktion an, ein Großaufgebot durchsuchte Keller und Dachböden, Hinterhöfe und Gartenhäuser. Jeden Tag wurde das Karree etwas ausgedehnt. Später übernahm die Mordkommission.

Kurz bevor Sandra verschwand, soll ein Mann am Kottbusser Damm / Böckhstraße ein 13-jähriges Mädchen angesprochen haben. Angeblich bat er das Kind, mit ihm zu kommen, um eine Wasserwaage zu halten. Es lehnte ab. Wohin der Mann anschließend ging, beobachtete das Mädchen nicht.

Der unbekannte Mann wird bis heute als möglicher Zeuge gesucht. Er war Ende 30, etwa 1,60 Meter groß und kräftig. Er hatte kurze dunkle Haare, sprach Deutsch mit dunkler Stimme und wirkte ungepflegt. Er trug Jeans und eine braune Lederjacke.

Die Anteilnahme der Menschen im Graefekiez war riesig. Geschäftsleute hängten Fahndungsplakate und Fotos in ihre Schaufenster. Eine Belohnung von insgesamt 10 000 Euro wurde ausgesetzt, die Hälfte davon von Sandras Eltern. Es gingen zahlreiche Hinweise ein, aber alle führten ins Leere.

Wir müssen einfach jeden Hinweis ernst nehmen, auch wenn er sich als falsche Fährte entpuppt.
- Ermittler

Etwa zwei Wochen nach Sandras Verschwinden erhielt die Polizei nachmittags einen anonymen Anruf. Ein Mann behauptete, dass ihre Leiche hinter einem Schuppen nahe der S-Bahn in Schönefeld zu finden sei. Der Anruf wurde zurückverfolgt und soll aus einer Telefonzelle am Kottbusser Tor gekommen sein.

Sofort begannen 30 Beamte aus Berlin und Brandenburg mit der Suche auf einem alten, stillgelegten Fabrikgebäude am Rande von Schönefeld. Mit Spaten gruben sie Müllberge um, Spürhunde waren dabei. Doch sie fanden nichts.

Danach soll sich der Unbekannte noch einmal bei der Polizei gemeldet haben. „Ihr sucht an der falschen Stelle“, sagte er, gab eine genauere Ortsbeschreibung ab. Wieder rückten die Suchtrupps in Schönefeld an. Stundenlang drehten die Beamten jeden Stein um, das alte Fabrikgelände war weiträumig abgesperrt. Schließlich brachen sie die Suche ab.

Keine Spur von dem Mädchen - bis heute.

Sandras komplette Familie ist mittlerweile aus dem Graefekiez weggezogen. Zu viele schmerzvolle Erinnerungen, sagt ihre Schwester.

Sandra Wißmann

Quelle: Privat

Hinweise bitte an die 5. Mordkommission des Landeskriminalamts in der Keithstraße 30 in Berlin-Tiergarten
Tel. (AB): (030) 4664-911555
✉️ LKA115-Hinweis@polizei.berlin.de
Der Vermisstenfall Sandra Wißmann ist Teil der BKA-Kampagne Wo bin ich? anlässlich des Tages der vermissten Kinder 2026. Auch ohne konkrete Hinweise können Sie einen wichtigen Beitrag leisten, indem Sie die Kampagne teilen und auf sie aufmerksam machen.

Sandra wäre heute 38 Jahre alt.

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